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Parodontose

Parodontose (Erkrankungen des Zahnhalteapparates)

In diesem Kapitel können Sie sich über die verschiedenen Phasen und Verfahren bei der Behandlung von Erkrankungen des Zahnhalteapparates informieren.

Parodontose

Allgemeines:
Besonders bei einer Erkrankung des Zahnhalteapparates (marginale Parodontitis) ist eine detaillierte, langfristig ausgerichtete Therapieplanung erforderlich, um zu einem Behandlungserfolg zu gelangen und diesen auch aufrecht zu erhalten. In diese Planung sind darüber hinaus auch Zahn erhaltende und prothetische Aspekte mit einzubeziehen. Aus diesem Grund ist vor Beginn einer so genannten systematischen Parodontalbehandlung eine umfangreiche Diagnostik unerlässlich, die neben Röntgenbildern und Situationsmodellen (Gipsmodelle von Ober- und Unterkiefer) auch eine spezielle parodontologische Befunderhebung (Taschentiefen, Zahnlockerungen etc.) einschließt.

Ziel einer Parodontalbehandlung ist es, ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung  langfristig zu verhindern. Der Zahnhalteapparat, der in der Vergangenheit abgebaut wurde, wird sich in den wenigsten Fällen aufgrund einer konventionellen Zahnfleischbehandlung wieder regenerieren. Mit modernen Methoden kann unter bestimmten Voraussetzungen heute allerdings versucht werden, einen Teil des verloren gegangenen Knochens und des Faserapparates wieder zurück zu gewinnen. Da Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre ergeben haben, dass das Rauchen einer der drei Hauptfaktoren für das Fortschreiten einer Parodontitis ist, wird darber hinaus die Raucherentwöhnung zu einem immer wichtigeren Teil der Parodontalbehandlung.

Die systematische Pardontaltherapie gliedert sich in die Mundhygiene-, korrektive und Erhaltungsphase. Jeder dieser Phasen kommen jeweils unterschiedliche Aufgaben zu.

Parodontose Phase 2

Mundhygienephase:
Während der Mundhygienephase (Initialphase) sollen die grundsätzlichen Voraussetzungen für einen langfristigen Erfolg der Behandlung geschaffen werden. Der Patient wird während dieser Phase in einer auf seine individuellen Verhältnisse ausgerichteten optimalen Mundhygiene unterrichtet, da sich ohne eine möglichst vollständige Entfernung bakterieller Beläge vor allem in den Zahnzwischenrumen kein längerfristiger Erfolg einstellen wird. Um den Patienten zu motivieren, soll er ber die Ursachen seiner Erkrankung und die Bedingungen fr eine erfolgreiche Behandlung informiert werden.

Selbstverständlich müssen die Voraussetzungen für eine optimale häusliche Mundhygiene gegeben sein oder aber durch das zahnärztliche Team geschaffen werden. So kann es nötig sein, alte Füllungen und Kronen zu glätten oder sogar auszutauschen. Das Praxisteam wird außerdem eine bedarfsgerechte professionelle Zahnreinigung vornehmen, die einmal oder mehrfach innerhalb weniger Wochen zu wiederholen ist. Da die Initialphase demnach aus mehreren Sitzungen besteht, ist es sinnvoll, bei jedem Termin ein bis zwei Indizes zu erheben, die anzeigen, wie sich die Mundhygiene in der Zwischenzeit entwickelt hat und ob die Entzündungszeichen bereits reduziert sind. Anhand dieser Indizes kann der Zahnarzt oder die fortgebildete Fachassistentin sehr gut erkennen, ob der Patient nur direkt vor dem Zahnarztbesuch gut gereinigt hat, oder ob er zu Hause regelmäßig eine gute Mundhygiene durchführt.

Am Ende der Mundhygienephase wird ein ausführlicher parodontologischer Befund erhoben, aufgrund dessen zu entscheiden ist, welche weiteren Behandlungen angezeigt sind. Ist ein Patient jedoch nicht zu guter Mitarbeit zu motivieren, macht eine weitergehende Parodontalbehandlung keinen Sinn, da unter diesen Umständen nicht mit einem Behandlungserfolg zu rechnen ist.

Korrektive Phase:
Sind die Voraussetzungen von Seiten des Patienten erfüllt, und ergibt sich nach der Mundhygienephase weiterer Behandlungsbedarf, schließt sich die korrektive (chirurgische) Phase an. Das eigentliche Ziel der chirurgischen Phase ist die Befreiung der Wurzeloberflächen von bakteriellen Belgen (so genannter Biofilm) und unter dem Zahnfleisch befindlichem Zahnstein (Konkremente). Je nach der Tiefe der Zahnfleischtasche und der Möglichkeit, diese Beläge zu erreichen, werden grundsätzlich zwei Verfahren voneinander unterschieden.

Behandlungsmethoden in der korrektiven Phase:
Bei der geschlossenen Methode (geschlossene Kürettage) werden in der Regel nach örtlicher Betäubung spezielle Handinstrumente (Küretten) und/oder maschinelle Instrumente (z.B. Ultraschall) am Zahn entlang in die Zahnfleischtasche eingeführt, um die Wurzeloberfläche zu reinigen und zu glätten. Fr dieses Verfahren wird auf das Schneiden im Bereich des Zahnfleisches verzichtet.

Bei der offenen Vorgehensweise (offene Kürettage, Lappenoperation) wird das Zahnfleisch nach lokaler Anästhesie und Skalpellschnitt vom Zahn und Knochen gelöst, so dass die zu reinigenden Wurzeloberflächen frei liegen und somit unter direkter Sicht bearbeitet werden können. Nach Abschluss der gründlichen Reinigung wird das abgelöste Zahnfleisch wieder an Knochen und Zahnen angelegt und mit Nähten fixiert.

Ob eine geschlossene oder offene Kürettage oder zuerst die geschlossene und bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt die offene Vorgehensweise gewählt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Diese Faktoren ergeben sich teilweise erst im Verlauf einer Behandlung und sind daher zu Beginn nicht immer abzuschätzen. Wenn möglich wird der Zahnarzt versuchen mit dem geschlossenen Verfahren auszukommen. Dies ist für die Patienten angenehmer und darüber hinaus wird ein weiteres Schrumpfen des Zahnfleisches vom Zahn weg auf ein Minimum reduziert. Ist ein entzündungsfreier Zustand mit der geschlossenen Kürettage allein nicht zu erzielen, lässt sich häufig das offene Verfahren nicht umgehen.

Parodontose wieder lächeln

Medikamente und Bakterientests:
Liegt eine aggressive und schnell verlaufende Form der marginalen Parodontitis vor, von der vor allem Patienten im Alter zwischen 15 und 35 Jahren betroffen sein können, kann über das mechanische Reinigen der Wurzeloberflächen hinausgehend der Einsatz von Antibiotika notwendig sein. Welche Antibiotika das sind, hängt u.a. vom klinischen Erscheinungsbild der Erkrankung und möglichen Allergien des Patienten ab. Darüber hinaus können Bakterientests, die speziell darauf ausgerichtet sind, die Art und Menge der in der Zahnfleischtasche vorhandenen Keime zu bestimmen, einen Hinweis darauf geben, welche Antibiotika sinnvoll sind.

Regeneration parodontaler Gewebe:
Seit einigen Jahren kommen Verfahren zum Einsatz, die unter idealen Bedingungen eine teilweise Neubildung des verloren gegangenen Zahnhalteapparates ermöglichen. Zum einen sind dies Verfahren, die den Einsatz von Membranen beinhalten, die sich entweder von alleine auflösen oder in einem zweiten Eingriff nach ungefähr sechs bis acht Wochen wieder entfernt werden müssen. Zum anderen wird über den Einsatz von bestimmten Wachstumsverfahren versucht, eine Regeneration zu erzielen. Das Auffüllen von Knochendefekten mit Knochenersatzmaterialien ist ein weiteres Verfahren, mit dem zumindest eine Reduzierung der Taschentiefen erreicht werden kann.

Erhaltungsphase (Recall):
Dem erfolgreichen Abschluss der korrektiven Behandlungsphase muss sich unbedingt die so genannte Erhaltungsphase anschließen, da Patienten, die einmal unter einer Erkrankung des Zahnhalteapparates gelitten haben, sehr anfällig für ein erneutes Aufflammen von Entzündungen in diesem Bereich sind. Aus diesem Grund ist die regelmäßige Kontrolle der Zähne, des Zahnfleisches sowie der häuslichen Mundhygiene absolut erforderlich. Während dieser Kontrollsitzungen sollte darüber hinaus eine gründliche professionelle Zahnreinigung vorgenommen werden. Wird bei der Zahnfleischkontrolle eine Blutung festgestellt, ist dies ein eindeutiges Anzeichen für eine Entzündung, die gegebenenfalls durch erneutes Reinigen der Wurzeloberflächen bekämpft werden sollte.

Der Abstand zwischen den Kontrollterminen hängt von der Schwere der Erkrankung und der Mitarbeit des Patienten ab. Während ein Zeitraum von sechs Monaten nicht überschritten werden sollte, ist in vielen Fällen ein vierteljährlicher Rhythmus sinnvoll.

Das Betreuen der Patienten in der Erhaltungsphase übernimmt ähnlich wie bei der Mundhygienephase zum großen Teil speziell dafür fortgebildetes Fachpersonal.Leider wird die Bedeutung der Erhaltungsphase sehr häufig unterschätzt. Dabei ist gerade diese Phase entscheidend für einen dauerhaften Erhalt der Zähne. Ohne die regelmäßigen Kontrollsitzungen kann sehr oft innerhalb kurzer Zeit ein Wiederaufflammen und weiteres Fortschreiten der Erkrankung festgestellt werden so dass die sehr umfangreiche und aufwändige Behandlung vergebens war.

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